Gastkommentare

Gastkommentare zu den Themen:
Flexible Arbeit; Arbeitsmarkt; Recruiting, Ausbildung; Qualifizierung; Digitale Transformation; Arbeit in Deutschland; Arbeit in Europa

Gastkommentar von Richard Hofmann CEO
Add-on Personal & Lösungen GmbH
Nürnberg

Unternehmen der Personaldienstleistung haben aufgrund hohen
Rekrutierungsaufwands keine Zeit für Qualifizierung

Was sich im ersten Moment anhört wie die Metapher vom Holzfäller, der „vor lauter Baumfällen nicht zum Axtschärfen kommt“, ist bei genauer Betrachtung des Sachverhaltes nachvollziehbar. Die Zeitarbeitsbranche ist eine der wichtigsten Rekrutierungsinstrumente der deutschen Wirtschaft. Durch Gesetzes- und Tarifanpassungen konnte die Branche der Zeitarbeit, spätestens als erfolgreichster Integrator während der Flüchtlingskrise, ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. Auch in der Zeitspanne der Corona Pandemie sorgt die Zeitarbeit dafür, dass Betriebe und Mitarbeiter flexibel auf pandemisch bedingte Einschnitte in das Arbeitsleben reagieren können und somit Arbeitsplätze erhalten wurden sowie schnelles, unbürokratisches Handeln möglich gewesen ist – in Kombination mit den Kurzarbeitsregelungen ein extrem wichtiges Instrument.

Mit zunehmender Stabilisierung des Wirtschafts- und Arbeitsmarktes sowie der schrittweisen Rückkehr zu einem „normaleren“ Leben, trifft man nun wieder auf einen „alten Bekannten“ mit dem Namen: Fachkräftemangel. Dieser führt dazu, dass Unternehmen verstärkt bereit sind, Personaldienstleister als Rekrutierungsdienstleister zu beauftragen. Das grundsätzliche Problem dieses Fachkräftemangels wird somit letztendlich allerdings nur in der Perspektive verlagert.

Einige, wenige Unternehmen in der Zeitarbeitsbranche sowie deren Verbände haben die Chance erkannt, in einem Notstand eine Chance zu sehen, und das Geschäftsmodell, Personal zu vermitteln, um das Thema „Qualifizierung von Potenzialträgern zu Fachkräften“ erweitert. Wohl keine andere Branche ist besser über die benötigten Qualifikationen der Unternehmen und zugleich deren Mangel an Fachkräften informiert
als die der Zeitarbeitsbetriebe. Dieses Knowhow ist extrem wertvoll und ermöglicht es der Branche, in Kombination mit der Qualifizierung eine wichtige Schlüsselrolle im Arbeitsmarkt zu erlangen. Wichtig ist, dass diese Qualifizierungen in einen anerkannten Abschluss münden und somit tatsächlich von einer Fachkraft gesprochen werden kann. Die Bildungsangebote decken mittlerweile Facharbeiter, Kaufleute und Akademiker ab.

Ein Umsetzungs-Hemmnis mag sicherlich sein, dass Zeitarbeitsbetrieben aktuell entweder schlichtweg die Kenntnis über die Möglichkeiten für erfolgreiche Qualifizierungsmodelle oder der notwendige Optimismus fehlen. Dabei werden Risiken und Aufwände meist überschätzt, was aus einer Umfrage der add-on GRUPPE hervorgeht. Vergleicht man Investitionen für Rekrutierungsinstrumente, den generellen Zeiteinsatz sowie erfolgreich und teuer gewonnene, aber nicht wertschöpfend abzuarbeitende Kundenanfragen, relativiert sich das Bild sehr schnell. Man muss definitiv nicht mehr bei null anfangen, sofern man als Personaldienstleister Fachkräfte qualifizieren will. Für eine erfolgreiche Umsetzung gibt es neben gutem Rat bei Verbänden und fachkundigen Beratern auch massive Fördermöglichkeiten für eine Finanzierung sowie Kooperationsangebote.

Die Zeitarbeit ist extrem stark darin, auf Regulierungen, Krisen und generell unerwartete Situationen zu reagieren, bei denen man eigentlich keine oder nur minimale Vorbereitungszeit hat. Nun hat man aus der Notwendigkeit heraus die Chance, selbst zu agieren – eine eventuell ungewohnte Situation, allerdings auch eine lösbare. Ich traue den Zeitarbeitsbetrieben diese Transformation zu! Die Branche ist sehr wettbewerbsorientiert und das sehe ich als wichtigen und sportlichen Motivationsfaktor.

Richard Hofmann CEO
Add-on Personal & Lösungen GmbH
Nürnberg